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Kindergarten Arche

 

Hilchenbach-Allenbach.
Jeden Dienstag gehen die Kinder des evangelischen Kindergartens Arche in die Wald. Auf einem Plateau unterhalb der Oberbach steht ihr Bauwagen. Nach der Ankunft stellen sie sich im Kreis auf und singen ihr „Waldspaziergangslied”.

Klaus Stötzel ist nicht nur Kindergarten-Pate. In seiner Waldgenossenschaft Hof Stöcken hat er auch dafür gesorgt, dass die Kinder das Gelände nutzen dürfen. Heute hat er frisch gesägte Balken und Baumstammstücke mitgebracht - noch mehr Sitzplätze für die Frühstückspause. Kilian und Mattis haben ihre „Kicherzwerge” dabei - die selbst geschnitzten Holzkameraden mit den lustigen gemalten Gesichtern sind stetige Begleiter.

Der Wald ist dunkel, da verläuft man sich, da sind Gespenster... Die Schauergeschichten erfüllen einen Zweck - aber die Angst bleibt. Viele Kinder kennen sich in Erlebnisparks besser aus als in der unmittelbaren Umgebung. In den Wald kamen manche beim ersten Mal mit Handschuhen, erinnert sich Kindergartenleiterin Elke Kern, „dabei ist das ihr Lebensraum.” Das legte sich dann aber schnell: Der Kletterhang ist als Rutsche entdeckt, die Neugier auf die einsame Eiche kennt keine Grenzen. Stück für Stück legen die Kinder die Wurzeln frei, deren Verlauf sie unbedingt erkunden wollen. Klaus Stötzel bedauert: „Dann muss ich ihn wohl bald absägen.”

Unterwegs zum Bauwagen ist die Gruppe stehen geblieben: Jetzt hört man das Wasser plätschern, die Vögel zwitschern. Leise sein, keine Zweige abreißen, keine Steine werfen - das gehört zu den Waldspaziergangsregeln, die jeden Dienstag in Erinnerung gerufen werden. Es gibt viel zu lernen. Warum das Holz, das da am Wegesrand seit zweieinhalb Jahren gelagert wird, nur trocken verbrannt werden soll? „Sonst brennt der Schornstein”, antwortet einer. „Und dann das ganze Haus.”

Die Lust an Katastrophenszenarien in eigener Sache ist eher begrenzt. Die Warnung, dass bei einem Unfall nach allzu unvorsichtigem Spiel der Krankenwagen gerufen werden müsse, kontern die Kleinen: „Der kommt doch gar nicht bis hierhin.” „Der muss aber”, erwidern die Erzieherinnen und die Mütter, die sich immer wieder auch am Waldvormittag beteiligen. Ob das überzeugt?

Bewegung beim Tannenzapfenwerfen, Gemeinschaftserlebnisse beim Budenbau, Naturkunde mit Hilfe des Bestimmungsbuchs. Oder, wie heute, ganz besondere Erfahrungen beim Barfußgehen mit verbundenen Augen, eine Hand an das führende rote Tau gelegt: Der Wald ist die beste (Vor-)Schule, die Elke Kern sich vorstellen kann. „Im Wald sind keine fertigen Spielmaterialien”, sagt sie, „hier ist Phantasie gefragt.” Und schon verwandelt sich der hohle Baumstamm in einen Suppentopf, in dem eine Sägespänesuppe mit Tannenzapfen angerührt wird.

Seit 2001 gehört der Waldvormittag zum Kindergarten programm. Fast alle machen mit. Nur die Kleinsten, die noch nicht drei Jahre alt sind, müssen sich gedulden. In diesem Kindergartenjahr ist der Kindergarten zum ersten Mal wieder im vertrauten Revier. Zwei Jahre wich die „Arche” in den Keppeler Stiftswald aus, unter anderem wegen Kyrill. Im dritten Jahr kam auch der Bauwagen dazu, den Klaus Stötzel mit Allenbacher Mitstreitern restauriert hat, in dem Bänke und Proviant gelagert werden und der auch einmal bei einem Regenguss Unterschlupf bietet.
Heute auch? Na ja. „Die Sonne strahlt ganz tief ins Herz hinein”, singen die Kinder. Ja, beteuert Elke Kern, „wir können sie nur noch nicht sehen.” Kein Problem, wissen die Kleinen: „Die versteckt sich hinter den Wolken.” Man lernt schon was in der Natur.

Druckbare Version Briefmarkensammlung WR 09.06.2009