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Eröffnung des Willy-Brandt-Forums

 

Eröffnung mit viel Prominenz und großen Erinnerungen

Am 20. März wurde nach mehrjähriger Planung das Willy-Brandt-Forum in Unkel eröffnet. Zu sehen sind dort 500 Objekte aus dem Leben und Wirken des Willy Brandts.

Die feierliche Eröffnung begann mit unvergessenen Zitaten des großen SPD-Politikers, vorgetragen von Bürgern aus Unkel. Noch heute haben die Aussagen Gültigkeit und zeugen von dem Weitblick dieses Mannes. Hier ein kleiner Ausschnitt:
„Das Wesen der Demokratie ist der Kompromiss“
„Die Schule der Nation ist die Schule.“
„Wer Unrecht duldet, stärkt es.“
„Man kann nie so kompliziert denken, wie es manchmal kommt.“
Und nicht zu guter letzt:

„Man hat sich bemüht.“

Es folgte eine Ansprache des Vorsitzenden der Bürgerstiftung, Thomas Otterbach. Sein Dank ging an alle Unterstützer und Spender, besonders an Frau Seebacher-Brandt, der Witwe Willy Brandts, und die Friedrich –Ebert-Stiftung.
Er begrüßte die Ehrengäste u.a. Sigmar Gabriel, Kurt Beck, Felipe González und den 100jährigen Herrn Dreier-ein ehemaliger Klassenkamerad Willy Brandts.

Anschließend folgte die Ansprache des Landesvaters Kurt Beck. Er wünscht sich, dass das Forum Ort des Gedenkens und auch des Denkens wird. Selbst aktuelle Themen wie Nordafrika oder Japan erinnern an Brandt, der schon früh auf globale Zusammenhänge aufmerksam machte und die Politik dazu aufrief, in ihrem Streben auf Nachhaltigkeit zu achten. Beck sieht die Stätte als Chance, uns zu besinnen, welche Zukunft wir haben wollen und welche Schritte wir gehen.
Weiterhin überbrachte er Grüße von Gerhard Schröder, Walter Scheel und Günther Grass, mit der Zusicherung bald nach Unkel zu kommen.
Er übergab Herrn Ottersbach ein Geschenk für die Stiftung. Es war eine schwarz-weiß Fotografie, welche Willy Brandt an dem berühmten Fenster in Leipzig zeigt („Willy ans Fenster“). Sie stammt jedoch von seinem 2. Besuch dort im Jahre 1990.

Nun wurde ein SWR-Bericht über den Privatmensch Willy Brandt eingespielt, der gerne „deftige Eintöpfe aß“, viel las und oft auf der Veranda saß.

Frau Seebacher-Brandt ergänzte das Porträt mit persönlichen Eindrücken an ihren Mann. Der Zufall habe sie 1979 nach Unkel geführt und sie haben dort fast 14 Jahre glücklich gelebt. Es gab zwei Menschen, denen Willy Brandt besonders Vertrauen schenkte in Unkel: Waltraud Lenzel, die sich um seine Hemden kümmerte und Herman, der für die Technik im Haus zuständig war. Herman hat den Sterbenden auch besonders gepflegt und auf die Frage, wer die letzte Rasur vornehmen sollte, hat Brandt geantwortet: „Herman!“
Besonders berührt hat Willy Brandt die Wiedervereinigung, die er mit den Worten „Nun wächst zusammen, was zusammen gehört“ bedachte. Mit Helmut Kohl sei ihr Mann immer gut ausgekommen, so Frau Seebacher-Brandt. Dies, so wendet sie sich an Kurt Beck, sei ein Kompliment an die Pfälzer.
Den Anwesenden Felipe González hat Willy Brandt gerne „den jungen Anwalt aus Sevilla“ genannt.
Als Spende an das Forum überreicht Frau Seebacher-Brandt einen Stift, mit dem Willy Brandt sein letztes Dokument unterzeichnet hat und einen Armreif, den ihr Gatte aus Bagdad mitgebracht hat.

Zum Schluss ergriff Felipe González das Wort. Er war von 1974 bis 1997 Generalsekretär der Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei PSOE und in den Jahren 1982 bis 1996 spanischer Ministerpräsident. Er wurde wegen Teilnahme an Demonstrationen gegen Franco 1971 inhaftiert. Er stand im ständigen Dialog mit Willy Brandt und sagt, dass er ihm heute bei vielen Gelegenheiten fehle, z.B. bei der aktuellen Situation in Nordafrika. „Willy Brandt hätte gewusst, wie wichtig diese Entwicklung für uns ist,“ so González „denn er dachte globalisiert.“
Brandt hätte ihm niemals Ratschläge erteilt, aber habe sich immer Zeit genommen, Geduld gehabt, gefragt und zugehört. Er sei ein Idealist und Pragmatiker zugleich gewesen und einen magischen Einfluss im Gespräch ausgeübt. Aus den Begegnungen erwuchs Freundschaft, auf die González sehr stolz ist.
Zusammen mit Bruno Kreisky und Olof Palme habe er von deren Lebenserfahrungen profitieren können. Wichtig sei es für Brandt gewesen, niemals aufzugeben.
Bei dem letzter Besuch in Unkel, als Brandt schon schwerkrank war , hat Felipe González nach eigenen Worten „nicht gut reagiert“. Brandt sagte ihm, heute sei es an der Zeit sich zu verabschieden. Mit den Worten „Nein, wir sehen uns nicht wieder. Lass uns die Gelegenheit nutzen.“ beschrieb er seine Situation. Aber González habe dies nicht geschafft und konnte sich nicht verabschieden. Seine Traurigkeit darüber war in der Rede deutlich spürbar.
González Hommage an Willy Brandt ist es, zu rebellieren und den Dialog nicht aufzugeben. Und der Versuch Weltbürger zu werden.



Im Anschluss an die festliche Eröffnung gab es die Gelegenheit das Forum zu besuchen.
Unter dem Eindruck der persönlichen Erinnerungen der Redner an den großen Staatsmann, war der Gang durch das Museum eine eindrucksvolle Zeitreise in eine wichtige Epoche der deutschen Geschichte.

Katrin Fey

Hier geht es zum willy-Brandt-Forum

Bilder der Eröffnung

 

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